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Liechtenstein als Family Office Standort

Die zunehmende Komplexität bei der globalen Vermögensverwaltung führt zur Suche nach geeigneten Standorten, die nachhaltig den internationalen Anforderungen entsprechen. Das Fürstentum Liechtenstein bietet sich insbesondere als geeigneter Standort aus Sicht der Nachfolgeplanung und des Vermögensschutzes an.

Erfolgsfaktoren des Standorts Liechtenstein sind insbesondere die Zugehörigkeit zu den zwei Wirtschaftsräumen EWR und Schweiz, eine liberale Wirtschaftsordnung, ein effizientes Behörden- und Aufsichtswesen sowie ein hoher Grad an Rechtssicherheit. Die steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen sind optimal für Unternehmertum und entsprechen den internationalen Standards. Offshore-Standorte und Strukturen zur Vermeidung von Steuern werden von verschiedenen internationalen Initiativen auf den Prüfstand gestellt. Liechtenstein als Onshore-Standort in der Mitte Europas hat ein modernes, international konformes Steuersystem entwickelt, das den Bedürfnissen der neuen globalen Standards entspricht. Das Steuersystem ist darauf ausgerichtet, die Komplexität und den Verwaltungsaufwand für multinationale Unternehmen und Unternehmer zu reduzieren und durch innovative Lösungsansätze zusätzliche Anreize zu schaffen. Die Einfachheit des Steuersystems in Verbindung mit der Stabilität des politischen Umfelds führt zu einer hohen Planungssicherheit für Investoren, die einen Wirtschaftsstandort zur Strukturierung ihrer internationalen Investitionen suchen.

Family Offices

Ein Family Office kann sowohl auf eine Familie (Single Family Office) oder auf mehrere Familien (Multi Family Office) ausgerichtet sein. Ausgestaltet in Form einer Gesellschaft dient es in beiden Fällen oftmals auch als Investitions- und Beteiligungsgesellschaft. Liechtenstein gilt als geeigneter Standort für Family Offices u.a. aufgrund der stabilen und liberalen Wirtschaftspolitik und dem modernen Gesellschaftsrecht. Liechtenstein hat eine lange Tradition in der Verwaltung von Vermögen in der Form von Family Offices.

Protected Cell Company (PCC)

Ein innovativer Lösungsansatz besteht im Bereich der internationalen Vermögensverwaltung durch die Verwendung der Organisationsform einer liechtensteinischen PCC. Dabei wird einerseits eine Zusammenführung der bestehenden Strukturen eines Family Offices ermöglicht und andererseits kann im Zuge der Substanzerfordernisse ein Zusammenschluss der Vermögenswerte und folglich eine Erhöhung der Substanz erreicht werden. Die zuvor auf verschiedene Vehikel aufgeteilte Substanz wird somit unter der Verwendung einer PCC konsolidiert. Investitionen und Beteiligungen können dadurch in haftungsrechtlich separierte Segmente unterteilt und gegliedert werden. Der Vorteil einer konsolidierten Substanz in einer einzelnen Gesellschaft für ein Family Office besteht in der Reduktion von Strukturkosten sowie in der Nutzung von Synergieeffekten in der Verwaltung der Vermögenswerte.

Vermögensstrukturierung über regulierte Anlagefonds

Für Family Offices geeignete Rechtsträger sind zudem die Anlage-Kommanditgesellschaft und die Anlage-Kommanditärengesellschaft unter dem AIFM-Gesetz. In einer Anlage-Kommanditgesellschaft muss nur ein Partner unbeschränkt haften. Alle anderen Partner haften lediglich bis zu den eingetragenen Investitionen. Beim unbeschränkt haftenden Partner kann es sich entweder um eine liechtensteinische oder ausländische natürliche oder juristische Person handeln. Im Gegensatz dazu gibt es in der Anlage-Kommanditärengesellschaft keinen unbeschränkt haftenden Partner. Alle Partner haften lediglich im Ausmass ihrer eingetragenen Einlagen. Die Anlage-Kommanditgesellschaft besitzt eine ähnliche Struktur wie die luxemburgische SICAR, die amerikanische Limited Partnership oder die Schweizer Kommanditgesellschaft für kollektive Kapitalanlagen.

Einfluss der Schweizer Unternehmenssteuerreform auf den Family Office Standort Liechtenstein

Mit der Annahme des Bundesgesetzes über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF) vom 19. Mai 2019 werden in der Schweiz ab 2020 weitreichende Veränderungen stattfinden, insbesondere mit der Abschaffung der privilegierten Statusgesellschaften. Ersatzmassnahmen als Ausgleich für die den Standort Schweiz schwächenden Veränderungen werden in einigen Bereichen eingeführt, jedoch nicht in allen. Dabei kann Liechtenstein in Kombination mit der Schweiz eine Alternative bzw. Lösung für nachhaltige Strukturen im Family Office Bereich in der Zukunft sein. Im Internationalen Verhältnis hat Liechtenstein zusammen mit der Schweiz die Möglichkeit, sich als Standort mit innovativen Kompetenzvorteilen im Bereich der internationalen Vermögensverwaltung durch Family Offices zu etablieren.

Martin Meyer
Leiter Tax & Legal Liechtenstein, dipl. Steuerexperte,
dipl. Treuhandexperte und Treuhänder (Liechtenstein), PwC Liechtenstein

Claudio Tettamanti
Marktleiter Liechtenstein, dipl. Wirtschaftsprüfer, PwC Liechtenstein