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Open Wealth – ein neuer Hype oder die Zukunft im Private Banking?

Bedürfnisse, Verhalten und Wertvorstellungen von Kunden verändern sich, während gleichzeitig neue Wettbewerber auf den Markt drängen und Technologien und Plattformen neue Geschäftsmodelle entstehen lassen. Wie können Privatbanken den neuen Kundenbedürfnissen gerecht werden?

 

Die Bedrohung der Privatbanken durch Big-Techs, Fintechs und Start-ups ist allgegenwärtig. In einigen Nischen haben sich die Herausforderer bereits durch innovative Geschäftsmodelle etabliert. Privatbanken sind also gezwungen, dem durch die Kunden gestellten Wandel der Anforderungen und Ansprüche zu begegnen und «Wealth Management» neu zu interpretieren. Folgende Faktoren werden darüber entscheiden, ob der Wandel gelingt:

  • Lifestyle und Individualisierung: Kunden verlangen ganzheitliche und gleichzeitig individuelle Dienstleistungen, die zu ihrem Lifestyle passen
  • Technologie erlaubt individuelle Angebote und Integrationen von Services
  • Fokus und Breite: Zur Konkurrenzfähigkeit braucht es neue Geschäftsmodelle
  • Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit

Der Kunde soll erleben, dass er einzigartig ist und individuell betreut wird.

Open-Wealth-Ökosystem: Eine Bestandesaufnahme

Durch die neuen Kundenbedürfnisse und Anforderungen an das Wealth Management ist offensichtlich, dass nicht die ganze Wertschöpfung durch die Privatbank erbracht werden kann sondern von Partnern aus einem Ökosystem eingebracht werden muss. Obwohl sich bis jetzt in der Schweiz und Liechtenstein noch kein digitales Ökosystem im Wealth Management-Sektor etabliert hat, hat sich in den letzten knapp zwei Jahren einiges bewegt, wie folgende Initiativen zeigen:

Open Wealth Association (2020):

  • Fokus (initial): Open Wealth APIStandard (B2B Connectivity)
  • Mitglieder: St. Galler Kantonalbank, SIX-b.Link-Mitglieder, WealthTechs
  • Zusammenarbeit: u.a. SIX b.Link, SFTI

SOWA – Swiss Open Wealth Association (2019):

  • Fokus: «New Wealth» für HNWI/UHNWI, Wertschöpfung über PB-Kernaktivitäten hinaus
  • Mitglieder: mehrere führende Privatbanken, WealthTechs, Technologiefirmen
  • Zusammenarbeit: erste Gespräche mit anderen Organisationen
  • Weitere Entwicklungen am Markt aus dem Sektor: Wealth Management-Plattformen (Bsp. VZ Vermögenszentrum, ZweiWealth), Marketplaces von Softwareunternehmen und Service Providers (Bsp. Avaloq, Wealth Mosaic)

Auch im neu definierten Wealth Management werden Dienstleistungen für vermögende Kunden weiterhin offline erbracht. Eine digitale Plattform, welche die Matching-Funktion zwischen Angebot und Nachfrage wahrnimmt und nebenbei noch dem Informationsaustausch und der Community-Experience dient, ist aber unabdingbar. Nur so ist die gewünschte Skalierung innerhalb eines Ökosystems und die zwingend notwendigen Koordinations- und Integrationsfunktionen realisierbar. Eine Ökosystem-kompatible Private-Banking-Plattform muss dafür folgende Voraussetzungen erfüllen:

Open-Banking-Architektur

Eine flexible Architektur erlaubt die rasche und kostengünstige Integration von Drittanbietern. Eine Privatbank kann so ihren Kunden Standardleistungen und individuelle Angebote in einem Ökosystem anbieten. Gleichzeitig wird eine rasche und kostengünstige Integration von neuen Angeboten ins Angebot der Bank ermöglicht, um agil auf die Konkurrenz oder veränderte Kundenbedürfnisse reagieren zu können.

Integrations-Layer mit APIs

Die Integrationsschicht stellt sicher, dass alle Daten ins und aus dem Kernsystem gespeichert und entnommen werden können – auch Produkt-, Beratungs- und Marketing-relevante Daten. Damit wird die zeitnahe Integration von Services (Technologie, Prozesse und Business) ermöglicht.

Modularität

Services müssen unabhängig integriert werden können, ohne dass jedes Mal die gesamte Plattform davon tangiert wird.

User Experience, Personalisierung, Analytics

Die Usability muss einfach und individuell an den Kunden und dessen Bedürfnisse angepasst werden können und personalisierte Angebote ermöglichen. Dies wird auch die Analyse des Kundenverhaltens unterstützen.

Cloud-Fähigkeit

Eine cloudfähige Digital-Banking-Plattform, ausgerichtet auf die Bedürfnisse des Open Banking, schafft den Zugang zu einem digitalen Ökosystem. Cloudbasierte Services ermöglichen die Zusammenarbeit mit Partnern auf einer einheitlichen Technologiebasis.

Thomas Wüst
CEO ti&m

Urs Bolt
Product Manager Digital Banking ti&m